| Frühe Concertinas und Bandoneons |
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Harmonika / Concertina
20 (einfach)-tönig (je Seite: 5 Tasten wechseltönig = 10 Töne / einfach = "einchörig", d. h. eine Zunge je Ton), im Gehäuse Bleistiftsignatur "Pirner", Chemnitz, Anfang 1850er Jahre
Sammlung Chambers, Dublin
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Eine der ältesten erhaltenen deutschen Concertinas aus Chemnitzer Produktion. Zur Entstehungszeit dieses Stückes nannte man die Instrumente in ihrer Heimat "Harmonika", "Accordion" oder "Accordion neuer Art". Den Begriff "Concertina" übernahmen die deutschen Instrumentenbauer aus England, von dem dortigen englischen Ziehharmonika-Modell. Er setzte sich in Deutschland erst allmählich (ab den 1870er Jahren) - später auch in der Schreibweise "Konzertina" - durch.
Christian Friedrich Pirner betrieb eine Concertina-Produktion in der Chemnitzer Mühlenstraße zwischen 1850 und 1860. Es ist nicht geklärt, ob er für den "Urvater" der Chemnitzer Concertina-Produktion Carl Friedrich Uhlig arbeitete oder dessen Konkurrent war. Wie das hier gezeigte Stück sahen auch die frühen Uhlig-Instrumente aus, von denen (so bisher bekannt) keine sicher zuschreibbaren Exemplare erhalten geblieben sind.
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Harmonika / Concertina
40 (einfach)-tönig, ohne Signatur, vermutlich C.F. Pirner, Chemnitz, Anfang/Mitte 1850er Jahre
Sammlung Chambers, Dublin |
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Dieses Stück ist mit dem signierten "Pirner" - Instrument baugleich, verfügt aber über eine doppelt so großen Tonumfang. Der Leihgeber Stephen Chambers hält das Instrument vor das Bild "The Blind Girl" des englischen Malers J.E. Millais (1829 bis 1896) aus dem Jahr 1856. (Hier als vergrößerte Fotokopie einer alten englischen Postkarte. Das Original-Gemälde befindet sich in der Art-Galerie von Birmingham.) Das Instrument auf dem Schoß des blinden Mädchens ist mit dem gezeigten Instrument aus der Chambers-Kollektion nahezu identisch.
England war für deutsche Hersteller, insbesondere seit der Weltausstellung von 1851 ein attraktiver Markt. Dort machten die aus einfachen Materialien und mit geringen Kosten gefertigten Instrumente den teuren englischen Produkten große Konkurrenz.
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Harmonika / Concertina
56 (einfach)-tönig, innen signiert "CGH", eventuell J.G. Höselbarth oder Familie, Chemnitz, 1850er Jahre
Sammlung Geuns / Grathem, NL
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| Neben C.F. Uhlig betrieben die Höselbarths in Chemnitz über Jahrzehnte ein erfolgreiches Harmonikaunternehmen. In den 1840er Jahren begann der ehemalige Webermeister Johann Gottlieb Höselbarth mit der Fertigung und dem Handel von Harmonikas. Von den 1860er bis zu den 1890er Jahren betrieb sein Sohn Julius August das Geschäft weiter. Vermutlich waren noch weitere Familienangehörige beteiligt.
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(anglo-german) Concertina
40 (einfach)-tönig, Raum Klingenthal, 1860/1900
Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal
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| Mitte der 1850er Jahre begannen auch die Instrumentenbauer des "Musikwinkels" um Klingenthal mit der Ziehharmonikaproduktion.
Concertinas machten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts den Hauptteil der Produktion aus. Viele Instrumente wurden nach England, dessen Kolonien und die USA exportiert.
Besondere Bedeutung erlangte eine, auf C.F. Uhlig in Chemnitz zurückgehende 40-tönige Concertina-Variante. Sie wurde meist mit einem sechseckigen,
an die englische Concertina erinnernden Gehäuse gefertigt. Durch diese Verbindung von englischer Form und deutschem "Innenleben" (wechseltönig/andere Mechanik) bezeichnet man die Instrumente auch als "anglo-german Concertina".
In überschaubaren Stückzahlen werden sie noch heute in Klingenthal gefertigt. Das hier gezeigte Exemplar ist ist besonders klein und war als Kinderinstrument gedacht.
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Concertina
Form eines Hauses, 40 (einfach)-tönig, Raum Klingenthal, 1870/1910
Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal
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| Um nachlassender Nachfrage zu begegnen, experimentierten die Vogtländer viel mit dem Design ihrer 40-tönigen Concertinas.
So entstanden Instrumente in originell bis kuriosen Formen. Dieses kleine Instrument in Hausform war vermutlich auch für Kinder gedacht.
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Concertina
Aufwändig verziertes Gehäuse mit Bildnissen des sächsischen Königs Albert und seiner Frau, 40 (einfach)-tönig, Raum Klingenthal, um 1900
Heimatstube und Zungeninstrumentesammlung Zwota
Das Instrument soll anlässlich eines Besuches von König Albert in Klingenthal entstanden sein.
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Concertina
Form eines deutschen Militär- und Polizei-Helmes ("Pickelhaube") mit metallgeprägtem sächsischen Wappen,
40 (einfach)-tönig, Raum Klingenthal, 1880/1910
Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal
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Concertina
120 (einfach)-tönig, Raum Klingenthal, 1870er Jahre
Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal
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Bandoneon
104 (einfach)-tönig, auf Balgrahmen aufgeklebtes Schild "Wwe H. Band & J. Dupont, Crefeld", 1880er Jahre
Sammlung Geuns / Grathem, NL
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Heinrich Band entwickelte seine Variante der deutschen Concertina in den 1850er Jahren. Nach seinem Tod im Jahre 1860 führte die Witwe Johanna - später mit dem Teilhaber J. Dupont - das Geschäft weiter und betrieb es bis 1887.
Das hier gezeigte Stück stammt vermutlich aus den 1880er Jahren. Frühe Bandonions der 1850er und 60er Jahre waren ähnlich "primitiv" wie frühe Concertinas.
Fast identisch aussehende Instrumente, wie das hier gezeigte, finden sich in einem Katalag der Firma "Gebrüder Seifert, Waldheim/Sa." aus dem Zeitraum 1910.
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